Äskulabstab

17. Norddeutscher Heilpraktiker Kongress

Heilpraktiker helfen heilen!

Vortrag V 14

Naturheilverfahren bei Krebs - Was ist wissenschaftlich anerkannt?

Krebserkrankungen erfordern diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die auf Qualität und Unbedenklichkeit geprüft sind und deren Wirksamkeit belegt ist. Dementsprechend haben sich Operation, Chemo-, Strahlen-, Hormon- und immunonkologische Therapien (z. B. Antikörper) als Standardbehandlungen bewährt.

Naturheilkundliche Maßnahmen (auch komplementärmedizinische Maßnahmen genannt) sollen die Standardtherapien optimieren. Sie haben keinen eigenständigen Einfluss auf rezidiv- oder metastasenfreie Zeit bzw. Überlebenszeit. Sie können aber, bei entsprechender Indikation, Nebenwirkungen der Standardtherapien reduzieren bzw. verhindern und somit die Lebensqualität stabilisieren. Daraus ergibt sich, dass die Standardtherapiekonzepte bzgl. Dosierung und Zeitintervall optimal verabreicht werden können, was die Chancen auf Heilung erhöht. In den vergangenen Jahren wurden vereinzelte komplementärmedizinische Maßnahmen in kontrollierten klinischen Studien erforscht, um sie bei Wirksamkeit in die Standardtherapiekonzepte zu integrieren. Neben Ernährungsoptimierung, körperlicher Aktivität (Sport) und psychoonkologischer/psychosozialer Betreuung sind nur wenige medikamentöse komplementärmedizinische Maßnahmen unbedenklichkeits- und wirksamkeitsgeprüft, z. B. Selen, pflanzliche Enzyme sowie definierte Vitamine und Spurenelemente bei nachgewiesenem Mangel. Die aktuelle „Interdisziplinäre S3-Leitlinie für Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ hat diese komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden in ihre Empfehlungen aufgenommen.

Achtung: Absolut zu warnen ist vor Außenseiterverfahren, die nicht auf Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit geprüft sind und die zuweilen mit der Komplementärmedizin in Verbindung gebracht werden. Diese Verfahren werden z. T. aggressiv beworben und geben u. a. vor, erprobte Standardtherapien ersetzen zu können. Sie können für Betroffene lebensgefährlich sein. Daher ist eine Absprache mit dem behandelnden Arzt unerlässlich, um unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Therapiemaßnahmen zu vermeiden und mögliche Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen.

LITERATUR

Krebsgesellschaft NRW, Beuth J: Komplementäre Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen. 6. Auflage, 2014.

Krebsgesellschaft NRW, Beuth J: www.komplementaermethoden.de

Prof. Dr. med. Josef Beuth